Geschichte der Waldschmiede und der Gastwirtschaft “ Zur Waldschmiede “
in Beckedorf

Anno 1805 kam der aus Stuttgart stammende Schmiede- und Schlossergeselle Wilhelm Jakob Wildhack ( 1778 – 1854 ) auf seiner Wanderschaft ins heutige Bremen-Nord. Er fand Arbeit an der Lesum auf der Langeschen Werft. Diese baute gemäß dem damaligen Technikstand hölzerne Walfangschiffe und konnte ihn für die Herstellung, der zum Walfang erforderlichen Eisengeräte gut brauchen, da er mit seinem schwäbischen Know-how den einheimischen Berufsgenossen in mancherlei Hinsicht überlegen war. Trotz größerer Entfernung zur Werft nahm er ein Quartier in Beckedorf bei der Steuermannswitwe Anna Häsemann. Ihr Mann war bei einem Walfangunternehmen auf See geblieben.
Damals, nämlich ungefähr zwischen 1650 und 1870, florierte an der Unterweser der Walfang, der den weniger Begüterten der flußnahen Dörfer auskömmliche, aber höchst gefährliche Verdienstmöglichkeiten bot. Wer “ Moby Dick “ von Hermann Melville gelesen hat, weiß Bescheid. Vor dem 2. Weltkrieg konnte man in Bremens Umgebung noch vereinzelt etwa 5 m hohe spitzbogig aufeinander zulaufende Walkieferknochenpaare als Torb ögen über den Garteneingängen bestaunen. Das waren Jagdtröphäen erfolgreicher Walfangkapitäne aus jener Zeit. Heute erinnert auf dem Utkiek in Vegesack ein bronzenes Walkieferpaar an diese alte Tradition.
Angesichts der wirtschaftlichen Situation erkannte Wildhack seine Chance. Er heiratete 1806 die Tochter seiner Hauswirtin und erwarb auf diese Weise einen Beckedorfer Bringkötnerhof von knapp 12 Morgen.

Mit diesem Besitz im Rücken konnte er seinen Meister machen. Dann holte er sich bei der damaligen französischen Präfektur in Blumenthal – wir befinden uns ja in der Franzosenzeit – das “ Patent “ ( wie es damals hieß, also die Lizenz) zu einer eigenen Schmiede, die sich auf die Herstellung von Walfanggeschirren spezialisierte. Weiterhin wurden jegliche Art Haushaltsgegenstände und Zubehörteile für den Hausbau angefertigt.
Das Konzept bewährte sich. So konnten dem Gründer der Beckedorfer Schmiede nacheinander sein Sohn, sein Enkel und als letzter sein Urenkel Johann Wildhack, der 1982 verstorben ist, folgen. Also insgesamt vier Generationen Wildhack-Schmiede.
Im Laufe der Zeit hatten die Verhältnisse sich jedoch grundlegend geändert. Die Langesche Werft hatte ihren Standort an der Lesum wegen der dortigen geringen Fahrwassertiefe an die Weser verlegt, weil man nun wesentlich größere Eisenschiffe bauen wollte. Sie nannte sich von nun an Vulkan-Werft nach dem Gott der Schmiede, um so die Umstellung auf den Bau von Eisenschiffen schon im Firmennamen klarzumachen. Wie bekannt existierte sie noch bis 1997.
Doch zurück zur Geschichte der Wildhacks.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm im Zuge der Industrialisierung der Bedarf an handwerklich gefertigten Eisengeräten stetig ab.
Gleichzeitig aber entstand bei den Wildhacks ein neuer Erwerbszweig. Und das kam so: Oftmals saßen die Leute, die als Kunden zur Schmiede kamen, wartend herum und baten um eine Tasse Kaffee bzw. Muckefuck oder ein anderes Getränk.
Daraus entwickelte sich – wiederum nach Einholung der entsprechenden Lizenz – eine Gastwirtschaft.


Die alte Schmiede jedoch existiert als Museum auch heute noch, geht somit inzwischen ins dritte Jahrhundert. Sie wird von einem Förderverein getragen und ist für das Publikum freitags von 15.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Tochter des 1982 verstorbenen Johann Wildhack, Frau Christine Wildhack, ist Gründungsmitglied des Fördervereins und gehört auch heute noch dem Vorstand an.
Die Gastwirtschaft entwickelte sich zu einer bis zum heutigen Tage beliebten Ausflugsgaststätte und Gartenwirtschaft. Sie hieß von Anfang an und auch heute “ Zur Waldschmiede “ , gehört unverändert der Familie Wildhack und wird von einem Pächterehepaar betrieben.
Das altehrwürdige Haus ist innen ansprechend modernisiert. Zur Gartenseite hin ist ein heller, freundlicher Saal mit großen Fenstern angebaut, von dem man direkt auf die vorgelagerte Terrasse und in den weitläufigen Garten gelangt. Die reichhaltige Speisekarte bietet eine große Auswahl an gut bürgerlichen bzw. ländlichen Gerichten.
Möge dieser Oase der Gastlichkeit, hervorgegangen aus einer vor mehr als 200 Jahren gegründeten Schmiede, noch lange Erfolg beschieden sein.
Bernhard Harms


Aufsatz von Bernhard Harms lt. Walter Willich zur Veröffentlichung mit dem Einverständnis von Christine Wildhack freigegeben. Wir bedanken uns für die Zurverfügungstellung des Schriftmaterials bei Bernhard Harms.
( Quelle : Lesumer Bote Nr. 74 vom 01.12.2011 , Herausgeber : Heimat und Verschönerungsverein Bremen Lesum e.V. )

Die Waldschmiede